Lässt die Macht des „neuen Gottes“ eine menschenwürdige Gesellschaft zu?
„KI wird nicht mehr verschwinden!“ und: „Die Entwicklung schreitet rasant voran!“, so die Aussage der aus Zürich zugeschalteten und der in den USA für einen Tech-Konzern tätigen Steirerin Julia Kindelsberger zu Beginn der Hybrid-Veranstaltung am 24.02.2026, die sich ganz der Frage widmete, ob ein menschenwürdiges Leben mit Künstlicher Intelligenz weiter möglich sein kann. Kindelsberger bot aus erster Hand Einblick in den aktuellen Stand derjenigen Technologie, die, wie Papst Franziskus sehr früh erkannt hatte, „im Zentrum des ‚Epochenwandels‘“ steht (vgl. Antiqua et Nova). In ihren Ausführungen verdeutlichte sie, dass es sich bei der Leistung von KI nicht um ein „Verstehen“ im menschlichen Sinne handelt, und erklärte Gründe für die rasche Beschleunigung der Entwicklung. Sie verschwieg auch Risiken und negative Auswirkungen nicht, wie die Verstärkung von Ungleichheiten durch algorithmische Diskriminierung und sich verstärkende Verzerrungen über fortdauernde Zeit hinweg. Desinformation, Deepfake und ein damit einhergehender Vertrauensverlust stellen, genauso wie die Machtkonzentration, Realitäten in der aktuell geopolitisch so herausfordernden Situation dar.
Europa ist gefragt, so Kindelsberger, und bot mit dem Hinweis auf digitale KI-Assistenten einen Ausblick auf die nahe Zukunft.
Darüber hinaus führte die Theologin, Philosophin und Autorin des Buches ‚Der neue Gott‘, Claudia Paganini, religions- und kulturgeschichtliche Aspekte aus und legte ihre – von vielen, wie sie berichtete, durchaus als provokant empfundene – These der KI als „neuem Gott“ dar.
Im Talk mit Julia Kindelsberger beleuchtete sie Gott zugeschriebene Attribute wie „allwissend“ und „sinnstiftend“ und verwahrte sich gegen Feststellungen auf der „Seinsebene“. Erhellendes für das Verstehen von Vorgängen in der aktuellen Krisenzeit lieferten Erklärungen aus der Medienrezeptionsforschung.
Im Austausch mit den Online- wie Präsenz-Teilnehmenden wurde in der aus Mitteln der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB) geförderten Veranstaltung an mehreren Stellen der Bezug zu den Menschenrechten hergestellt: Vielfach große Chancen wurden im Bereich der Gesundheit und teilweise der Bildung erkannt. So werden etwa durchaus positive Erfolge aus dem psychotherapeutischen Kontext vermeldet, wie Paganini berichtete. Die Kombination aus menschlicher und KI-Interaktion werde häufig als hilfreich erlebt. Kritisch beurteilt wurde hingegen die aktuelle Situation z.B. hinsichtlich der globalen Einhaltung von Arbeits- und Sozialrechten sowie der Meinungs- und Informationsfreiheit.
Fazit des Abends war die Bewusstwerdung, die folgenden Aspekte in den Blick zu nehmen: Ermutigung zur kontinuierlichen Auseinandersetzung und zum bewussten Umgang mit KI sowie die Wichtigkeit von Bildung und Engagement, um gesellschaftspolitische und ökologische Herausforderungen, gerade in der aktuellen weltpolitischen Lage, zu meistern – mit dem Ziel einer menschenwürdigen Gestaltung für alle!
Herzlichen Dank unseren Kooperationspartnern: FB Pastoral & Theologie, KBW und KA Steiermark!