"Unfolding Horizons – Female Nigerian Artists in Graz"

Unfolding Horizons – Female Nigerian Artists in Graz bringt die Arbeiten zweier zeitgenössischer Künstlerinnen aus Nigeria erstmals nach Graz und eröffnet einen vielschichtigen Dialog zwischen Herkunft, einer anderen Perspektive auf die Moderne und Gegenwart. Die Ausstellung bewegt sich in einem Spannungsfeld aus handwerklichen Praktiken, kulturellem Wissen und zeitgenössischen künstlerischen Strategien – zwischen Tradition und Transformation, Erinnerung und Zukunft, sowie weiblicher Identität.
Nigeria bildet dabei nicht nur einen geografischen, sondern vor allem einen kulturellen Resonanzraum. In den gezeigten Werken wird Handwerk als Wissensspeicher sichtbar: über Textilien sowie der Arbeit mit Holzoberflächen entstehen Rhythmen und Muster, die auf jahrhundertealte Techniken verweisen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Gleichzeitig werden diese Praktiken neu gelesen, erweitert und in einen aktuellen, gegenwärtigen Kontext überführt, indem sie genutzt werden um das Hier und Jetzt zu beschreiben.
Pamela Cyril-Egware – eine der beteiligten Künstlerinnen – arbeitet ausgehend von Textil- und Färbetechniken des Niger-Deltas. Ihre Werke verbinden Batik, Resist-Techniken und zeichnerische Elemente mit zeitgenössischen Fragestellungen zu Gemeinschaft als weiblicher Erfahrungsraum. Natürliche Formen, insbesondere aquatische Motive, werden zu Trägern kultureller Erinnerung und zugleich zu offenen Bildern für Wandel und Bewegung im wörtlichen Sinne, wenn sie Verwendung auf Kleidung finden, aber auch im übertragenen Sinne als Wandbild. In der Ausstellung werden sowohl mehrere ihrer Wandbilder mit figurativen Darstellungen gezeigt wie auch mehrere Stoffbahnen die zu einer räumlichen Installation zusammengefügt werden.
Juliet Ezenwa Pearce arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur, Maske und Grafik und verbindet künstlerische Praxis mit gesellschaftlichem Engagement. In ihren aus umweltfreundlichem Holz gefertigten weiblichen Köpfen, Masken und der Installation der Female Masquerade greift sie bewusst auf formale Bezüge zu Nok-Skulpturen, Igbo-Ukwu-Artefakten und Esie-Seifenstein zurück. Pearce hinterfragt die historische Ausgrenzung von Frauen aus spirituellen, rituellen und politischen Räumen und bricht gezielt mit kulturellen Tabus, indem sie Frauen als Trägerinnen von Autorität und Sichtbarkeit darstellt. Ihre Arbeiten verleihen jenen Stimmen Raum, die lange marginalisiert wurden, und formulieren ein kraftvolles Plädoyer für Teilhabe, Gleichberechtigung und kulturelle Selbstbestimmung.
Selma Etareri ist die Kuratorin von Unfolding Horizons – Female Nigerian Artists in Graz. Ausgehend von ihrer eigenen künstlerischen und transkulturellen Praxis versteht sie Ausstellungsmachen als vermittelnden Raum zwischen Kontexten, Generationen und Wissensformen. Mit diesem Projekt schafft sie eine Plattform für zeitgenössische nigerianische Künstlerinnen und eröffnet einen Dialog zwischen handwerklicher Tradition, feministischer Perspektive und internationaler Gegenwartskunst.
Unfolding Horizons versteht sich als Einladung, diese Horizonte aufzufalten: als Prozess des Sehens, Lernens und Neu-Verhandelns von Tradition, Moderne und Gegenwart.
Eine Ausstellung des Afro-Asiatischen Instituts Graz, kuratiert von Selma Etareri.
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Harmattan Workshop Agbarha-Otor, Delta State, Nigeria Der Harmattan Workshop in Agbarha-Otor im Delta State, Nigeria, zählt zu den bedeutendsten unabhängigen Künstlerresidenzen Afrikas. Seit 1998 organisiert die Bruce Onobrakpeya Foundation während der Harmattan-Jahreszeit ein internationales Arbeitsforum, bei dem jährlich bis zu hundert Künstler:innen aus unterschiedlichen Ländern und Disziplinen für zwei intensive Wochen zusammen leben und arbeiten. Erfahrung, Wissen und künstlerische Praxis werden generationenübergreifend weitergegeben. Zeitgenössische Kunst begegnet traditionellen Handwerkstechniken. Malerei, Druckgrafik, Skulptur, Keramik, Textilkunst und experimentelle Medien stehen gleichberechtigt nebeneinander. Vision Ins Leben gerufen und nachhaltig geprägt ist der Harmattan Workshop von Bruce Onobrakpeya, einem der einflussreichsten Künstler Afrikas. Er hat diesen Ort für die Synergie der Kunsttraditionen und zeitgenössischen Ausdrucksformen geschaffen. Die Galerie- und Werkstattanlagen wurden vom renommierten nigerianischen Architekten und Künstler Demas Nwoko entworfen und realisiert. Seine Architektur verbindet moderne Bauweisen mit lokalen Materialien im Zusammenspiel mit den klimatischen Gegebenheiten der Region. Das Künstlerkollektiv Viele Teilnehmende kommen seit vielen Jahren kontinuierlich. In diesem natürlich gewachsenen Kollektiv übernehmen erfahrene Künstler:innen Verantwortung als Facilitator:innen. Sie begleiten Arbeitsprozesse, vermitteln Techniken und fördern den künstlerischen Austausch zwischen den Generationen. Die für diese Ausstellung ausgewählten Künstlerinnen Juliet Ezenwa Pearce und Pamela Cyril-Egware gehören zu diesen prägenden Persönlichkeiten. Als langjährige Teilnehmerinnen und Facilitatorinnen gestalten sie die kollektive Praxis des Workshops maßgeblich mit. |