Einundfünfzig Tage eines Visums
Pogosians künstlerische Praxis untersucht die Schnittstelle von Farbe und Klang und entwickelt ein System, in dem Farbe als Klang fungiert und Klang Erfahrungen aufzeichnet. Auf diese Weise stellt sie die Frage, wie eine Stadt durch Farbe „gelesen“ und durch Rhythmus „gehört“ werden kann.
Mit Fokus auf Diasporas und Gemeinschaften, insbesondere die armenische Frauendiaspora, verwandelt Pogosian Begegnungen und Gespräche aus ihrer Residency in künstlerisches Material und verbindet persönliche Erfahrungen mit kollektiven Erzählungen. Diese Schnittstellen bilden die Grundlage einer künstlerischen Untersuchung, in der sich die Stadt durch Farbe, Klang und menschliche Beziehungen entfaltet.
Die Mur wird dabei zu einem zentralen Element: Sie begleitet ihre täglichen Wege und entwickelt sich zu einem leitenden Bild, das die Wahrnehmung strukturiert. Daraus entwickelt sie ein „Farbklavier des Flusses“, das visuelle Eindrücke in Klang übersetzt und Bewegung in einen performativen Akt verwandelt.
In Erweiterung dieses Ansatzes entsteht zudem eine „Farbkarte“ von Graz, in der Begegnungen und Bewegungen auf dem Klavier neu interpretiert werden können – oder durch Vesna Petković und den Sosamma Choir, mit denen Bela geprobt hat.
Das Zine Photographic Series from Graz sowie Zeichnungen und Objekte, die dem Fluss, der urbanen Flora, Situationen und Menschen gewidmet sind, halten Bewegungen, Rhythmen, Empfindungen und Erscheinungsformen der natürlichen Umgebung fest.
Die Mentorin der Residency, Eva Ursprung, arbeitet zu feministischen und sozialpolitischen Themen. Ihre Forschung zur Mur als Ort ökologischer, sozialer und historischer Prozesse hat Pogosians Ansatz geprägt und ihn um Fragen von Erinnerung, urbaner Dynamik und kollektiver Erfahrung erweitert.